Es ist ein ausgeklügeltes Spiel:  Immer neue Antibiotika werden entwickelt, die durch eine clevere Werbung und über Ärzte auf den Markt kommen. Falscheinnahmen und allzu leichtsinnige Verschreibungen sorgen dafür, dass die Bakterien immer schneller resistent werden. So
werden immer neue Antibiotika benötigt, die der Pharmaindustrie immer höhere Gewinne bescheren. Über 90 Prozent aller Atemwegsinfekte wie Husten und Schnupfen werden von Viren verursacht.  Bei einer normalen Erkältung sind Antibiotika demnach nicht ratsam, denn sie können nur Bakterien aber keine Viren abtöten. Sinnvoll ist ihr Einsatz nur dann, wenn es während einer viralen Erkältung zu einer Folgeinfektion mit Bakterien kommt.


Das wissen auch die Ärzte. Dennoch erhalten 60 bis 80 Prozent der
Patienten im Laufe ihrer Behandlung ein Antibiotikum verordnet. Aber
warum ist das so?

Die Pharmalobby gibt ihr Bestes Durch clevere Werbung in den unterschiedlichsten Arztpraxen und in den Medien wurden und werden Antibiotika als „Allheilmittel“ propagiert. Diese Strategie zeigt bis heute Erfolg, denn Antibiotika gehören zu den wichtigsten Medikamenten überhaupt.Weil viele Ärzte sie nur allzu willig und leichtsinnig verschreiben schlucken die Deutschen davon rund 300 Tonnen pro Jahr, das sind etwa 363 Millionen Tagesdosen! Unverantwortliche Verschreibungen, falsche Anwendungen und viel zu häufige Einnahmen haben für Sie als Patienten noch zu einem ganz anderen Problem geführt: Immer mehr Erreger sind bereits resistent geworden. Ich komme weiter unten noch einmal darauf zurück.

Ein Teufelskreis
Zudem führt der häufige Gebrauch von Antibiotika genau zum Gegenteil, von dem, was man eigentlich erreichen will: Das Abtöten der Bakterien kann die Funktion des körpereigenen Immunsystems nicht ersetzen, sondern stört das natürliche Gleichgewicht zwischen Mikroorganismen und
Keimen.  Das kann zu einer noch höheren Infektanfälligkeit führen. Ein Teufelskreis,
aus dem man nur noch schwer ausbrechen kann, wenn man einmal darin gefangen ist. Die Wirksamkeit der Antibiotika sinkt seit Mitte der 1980er Jahren deutlich, weil immer mehr Bakterien gegen fast alle Arten von Antibiotika resistent sind. Man nennt solche Keime auch „multiresistent.“ Und das funktioniert so: Indem sie Gene untereinander austauschen, verändern Bakterienstämme ihre genetische Struktur sehr schnell. Das ist eine erfolgreiche Überlebensstrategie: Schon nach der ersten Dosis eines Antibiotikums gibt es Keime, denen das Medikament nichts mehr anhaben kann und die „Resistenzeigenschaften“ sogar weitergeben. Eine natürliche Resistenz  liegt am unterschiedlichen Aufbau und Stoffwechsel der Bakterien. So wirken bestimmte Antibiotika nicht bei bestimmten Keimen. Eine erworbene Resistenz liegt dagegen dann vor, wenn das Antibiotikum nicht richtig eingenommen oder zu niedrig dosiert wird. In diesem Fall können die Bakterien überleben und sich weiter vermehren. Sie wurden quasi „gezüchtet.“


Die Ursachen dafür liegen zum einen daran, dass Antibiotika zu 30 bis 50 Prozent falsch eingesetzt werden: Entweder stimmt die Dauer oder die Dosis nicht, oder der Wirkstoff ist der falsche. Zudem werden sie viel zu häufig verschrieben. Das gewinnbringende „Spiel“ geht munter weiter
So hält der Wettlauf zwischen den Chemikern und den Bakterien, mit ihrer Fähigkeit, sich schnell an veränderte Lebensbedingungen anzupassen, an. Die Bakterien sind dabei leicht im Vorteil, denn der massenhafte Einsatz von Antibiotika verstärkt ihre Resistenzbildung schneller, als neue
Medikamente entwickelt werden.Für die Pharmaindustrie ist das „Falsch-„ und „Zuviel-Verschreiben“, das zur Resistenz führt, also höchst willkommen: Mit immer neuen Antibiotika lässt sich gutes Geld zu verdienen. Ein gewinnbringendes Spiel: Die Pharmalobby entwickelt Antibiotika, die durch eine ausgeklügelte Werbung und über Ärzte auf den Markt kommen und den Unternehmen Milliarden-Profite bescheren, aber durch deren Vielzahl und dessen Missbrauch immer wirkungsloser werden. So werden
immer neue Antibiotika-Medikamente benötigt!

Das erweckt den Eindruck, dass es dieser Branche vorrangig um den Profit geht und gar nicht so sehr um die Gesundheit des Einzelnen. Eine gewisse Eigenverantwortung ist also nötig.
Jeder Einzelne ist in der Verantwortung Objektiverweise habe ich auch mit einigen Ärzten über diese Thematik gesprochen. Häufig war deren Antwort: Viele Patienten wollen und fordern
geradezu, Antibiotika verschrieben zu bekommen. Mag es für manche vielleicht als Ausrede klingen, aber tatsächlich ist es so, dass manche Patienten schon bei einer unkomplizierten Erkältung oder
einem leichten Infekt ein schnell wirksames Mittel einfordern, um beruflich möglichst nicht lange auszufallen. Denn der Druck auf dem Arbeitsmarkt wird immer größer und viele können es sich einfach nicht mehr leisten, krank zu sein.

Der Patient trägt häufig noch eine andere Mitschuld an der zunehmenden Resistenz: Tritt eine schnelle Besserung der Krankheit ein, werden Antibiotika oft zu schnell und eigenmächtig abgesetzt. Man kann den Mikroorganismen keinen besseren Gefallen tun. Denn wenn sie nicht vollständig abgetötet werden, besteht die Gefahr, dass die überlebenden Bakterien eine Resistenz gegen das Antibiotikum bilden.
Jeder Einzelne von uns kann also etwas tun, um die Resistenzfähigkeit der Bakterien zu verhindern, auf der die Profite der Pharmaindustrie letztendlich beruhen.